Diplomarbeit Nachlass Huber

October 29, 2006

DA #6 En français, s’il vous plaît….

Filed under: Diplomarbeit — harrietvane @ 3:02 pm

Habe gerade die letzten 2 Stunden damit verbracht, mein verstaubtes Französisch zusammen zu kratzen und ein Mail an die Sorbonne zu verfassen, wo ja anscheinend noch Material von Huber sein soll. Es war nicht einfach und ich hoffe, man versteht überhaupt, ws ich meine. Vorausgesetzt, es kommt überhaupt jemals an die richtige Adresse und geht nicht irgendwo im Netz der Sorbonne unter. Habe auch gleich noch ein Mail an die Ecole française d’Extrême-Orient in Paris geschickt mit der Frage, ob sie vielleicht auch noch irgendwas haben oder wissen.

Nun bin ich gespannt, ob ich jemals eine Antwort bekomme…. Es wäre schön, ein vollständiges Bild zu haben…

October 28, 2006

DA #5 Eintauchen in eine längst vergangene Zeit und A Day in the Country

Filed under: Diplomarbeit — harrietvane @ 4:34 pm

Gestern habe ich mir einige der Dias von Huber angeschaut. Sie sind etwa zwischen 1901 und 1909 entstanden (ganz wenige sind angeschrieben und von diesen tragen noch weniger eine Jahreszahl). Die Bilder sind faszinierend. Ersteinmal die Technik an sich: Es handelt sich dabei nicht nur um Glasplatten, sondern um Stereo-Glasplatten. Das heisst, auf einem Glasstreifen befinden sich rechts und links zwei Mal das gleiche Bild, in der Mitte ist ein Abstand von eingigen Zentimetern – auf diesem finden sich ab und zu, leider viel zu wenig, eine Beschriftung des Motives. Um die Bilder anzuschauen, legt man sie in einen speziellen Apparat, eine Art Holzkiste mit 2 Linsen zum Durchschauen. Der Boden des Apparates ist eine milchige Glasplatte, wodurch das Licht kommt, um die Dias zu beachten. Das besondere an diesem Stéréoscope und den Stereodias ist, dass das Bild so beim Betrachten einen 3D-Effekt erzeugt, was einem wiederum das Gefühl gibt, mittendrin im Bild zu sein. Man hat nicht das Gefühl, nur eine Fotografie einer längst vergangenen Zeit zu betrachten, sondern vielmehr durch ein Zeitloch direkt das Geschehen zu beobachten. Eine weitere Faszinität sind die Motive selbst. Indochina vor etwas mehr als hundert Jahren mit bezopften Chinesen und weiss geschminkten Chinesinnen mit Haarschmuck und diesen weissen Plateaus unter den Schuhen. Daneben so schaurige Bilder wie eine Gruppe Männer in Uniformen, die eine am Boden liegende Frau auspeitschen oder eine Hinrichtung durch Enthaupten und an einem Seil aufgehängte Köpfe. Die meisten sind aber zum Glück Bilder von Tempeln, Palästen und vor allem Alltagsleben in Stadt und Land, buddhistische Prozessionen und sogar ein Bild des Königs von Annam. Ich bin froh, dass die Erschliessung der Bilder nicht Hauptteil meiner Arbeit ist – so spannend die Bilder sind, nachzuvollziehen, wo sie aufgenommen worden sind, scheint mir fast unmöglich.

Allerdings ist mein Thema – Aufbewahrung und Verfilmung und/oder Digitalisierung – auch nicht gerade so einfach. Glasplatten an sich sind ja schon ein Fall für sich, aber Stereo-Dias sind dann gleich nochmal exotischer. Immerhin habe ich eine Adresse von einem Prof. in Basel bekommen, wie es scheint der einzige Mensch in der Schweiz, der von Stereo-Dias eine Ahnung hat. Allerdings ist jetzt zu Semesterbeginn vielleicht nicht gerade ein günstiger Zeitpunkt zu nachfragen. Überhaupt muss ich zuerst in Luzern abklären, was dort überhaupt im Vordergrund steht – geht es in erster Linie um die Aufbewahrung, d.h. Langzeitsicherung der Glasplatten, oder um eine möglichst schnelle Digitalisierung und Zugänglichkeit im Netz. Ich vermute ersteres.

Gestern Nachmittag habe ich mich ausserdem aufgemacht auf einen Ausflug ins Luzernische Hinterland, irgendwo in der Pampas, zum Geburtsort Hubers, wo sich in der Gemeindeverwaltung noch ein paar Sachen von und über Huber befinden. Habe Inventar genommen von den Sachen und bin über eine witzige Sache gestolpert. Unter den Materialien befand sich eine kleine Schachtel einer Pariser Firma, welche die rohen Glasplatten für Fotografien herstellte. Huber hat wohl diese Schachtel irgendwann in Paris gekauft , sie mit nach Indochina genommen und damit dann einige der 350 Fotos gemacht, die nun in Luzern sind. Der Name der Firma: R. Guilleminot, Boespflug & Cie. Fabricants. :-) .

pic028.JPG
Gemäss dem Gemeindeschreiber sollen sich ausserdem an der Sorbonne in Paris einige Kisten mit Material von Huber befinden. Zwar ersetzt mir die ZHB allfällige Reise-Spesen für Recherchen für die Diplomarbeit, aber eine Reise nach Paris liegt wohl leider nicht drin… Werde aber auf jedenfall versuchen, bei der Sorbonne via Mail nachzufragen sowie bei der Ecole française d’Extrême-Orient, an welcher Huber in Hanoi 13 Jahre gearbeitet und welche heute in Paris angesiedelt ist. Ein grosses Problem ist hier allerdings mein Französisch – werden sie überhaupt verstehen, was ich meine????

October 17, 2006

DA #4 Stundenlang im Staatsarchiv

Filed under: Diplomarbeit — harrietvane @ 6:57 pm

Heute fast den ganzen Tag damit verbracht, das Material meiner vorgestrigen Recherche an den verschiedenen Institutionen zu holen und zu kopieren. So war ich heute in der ZB, der ETH, im Thomas-Mann-Archiv und zu guter Letzt im Staatsarchiv. Während es in den ersten 3 noch relativ zügig vonstatten ging, habe ich geschlagene 3 Stunden im Staatsarchiv verbracht, um 5 Artikel zu kopieren. Bei meiner ersten Bestellung um 11 waren zwei der vier die falschen Signaturen. Zwei weitere konnte ich nicht finden. Die nächste Bestellrunde um 11.30 verpasste ich natürlich, was bedeutete, dass ich bis nach 13 Uhr warten musste. Bis ich wieder raus kam – zum Glück schliesslich mit allen meinen Kopien – war es 14 Uhr. Umso ärgerlicher, als dass ich schon 2 Stunden früher hätte fertig sein können, wenn mann die Signaturen sorgfältiger gelesen hätte. 43/1 ist halt eben nicht dasselbe wie 43/11. Ich weiss ja nicht, was die internen Gründe und Vorzüge für das jetztige System ist, aber für mich als Benutzerin ist das ganze Prozedere von kleinen roten Zettelchen ausfüllen und ins kleine Plexiglasbehälterchen in der grossen Schachtel über’s Warten und schliesslich die gesuchten Medien zusammensuchen doch recht umständlich und eher benutzerunfreundlich. Ich hoffe, ich muss sobald nicht wieder hin!

Dafür habe ich einiges an Material gefunden, zum Thema Nachlässe in der Schweiz wie auch zu Digitalisierung/Verfilmung von Fotomaterial. Nun muss ich das Ganze nur noch lesen…

Dringend sollte ich mich auch endlich mal bei der Gemeinde Grosswangen melden sowie im Fotomuseum Winterthur und überlegen, wo noch.

Das Exposé ist fast fertig, das Mühsamste daran ist der Zeitplan. Ich finde es wahnsinnig schwierig, abzuschätzen, wie lange ich für was brauche.

October 13, 2006

DA #3 Was ist ein Nachlass und wo gehört er hin?

Filed under: Diplomarbeit — harrietvane @ 7:35 pm

Habe mich gerade durch einen Teil von Fachartikeln zum Thema Nachlässe und ihre Erschliessung gewühlt.  Der erste, von 1926, führte recht überzeugend auf, was alles in eine Bibliothek gehört und was in ein Archiv. Auch plädierte er zur Kooperation zwischen den beiden und zwar nicht nach dem Prinzip, nur dann etwas abzugeben, wenn man etwas dafür bekommt. Im Vordergrund steht die Benutzung – das Material sollte dort sein, wo man es erwartet bzw. sucht. Dieses Prinzip taucht dann auch in späteren Artikeln immer wieder auf und hat, wie es scheint, immer noch Gültigkeit.

Interessant waren auch die Definitionen, was ein Nachlass ist, was mir einige Aufschlüsse zu “meinem”  Nachlass gegeben hat. Hier die wichtigsten Punkte und Probleme:

Idealerweise geht der Nachlass direkt vom Nachlasser, nach dessen Tod, in die Bibliothek oder das Archiv. Er ist also so, wie ihn der Nachlasser hinterlassen hat, nach dessen Ordnungskriterien geordnet und vollständig. Beim Nachlass von Huber ist dies nicht der Fall. Das Material des jetzigen Nachlasses scheint durch mehrere Hände gegangen zu sein, bevor er in der ZHB landete, ist also im engsten Sinne noch nicht mal wirklich der Nachlass von Huber, sondern vielmehr eine Sammlung von zu ihm gehörigem Material (?).  Darüber befindet sich der Nachlass schon seit einigen Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) unbearbeitet in der Bibliothek, was es natürlich sehr schwer macht, irgendetwas nachzuvollziehen.

Ein wichtiger Teil eines Nachlasses stellt die Korrespondenz des Nachlassers dar. Hier sind es eine recht grosse Anzahl Postkarten von und an Huber (erstere enthalten oft nicht mal einen Text, sondern stellten wohl nur ein Lebenszeichen an seine Eltern dar). Daneben einige wenige Briefe. Darunter sind allerdings auch Briefe und Karten, die von Freunden Hubers an seine Eltern oder Schwester geschrieben worden sind. Streng genommen gehören diese also wohl gar nicht in den Nachlass und müssten deshalb wohl kassiert werden, oder? Ich nehme mal an, das dies nicht gemacht wird. Ein weiteres Problem ist, dass anscheinend ein Teil der Briefe, bzw. der Grossteil, wenn nicht alle, Briefe von Huber gar nicht mehr exisitieren. Während die Biographie von Schnyder zum grossen Teil aus Hubers Briefen an die Eltern besteht, so wird in einem Artikel über Huber 50 Jahre später in einem Nebensatz erwähnt, dass besagte Briefe in der Zwischenzeit leider einem Brand zum Opfer fielen.

Ein weiteres Merkmal eines Nachlasses sind die “Werkmanuskripte”. Bei Huber glänzen diese durch Abwesenheit. Nicht dass sie auch irgendwelchen Katastrophen zum Opfer fielen – sie haben wohl gar nie existiert. In einem Nachruf eines Kollegen wird erwähnt, dass Huber nie Notizen gemacht habe, sonder sich ausschliesslich auf die Quellen und sein exzellentes Gedächtnis verlassen habe. Damit wird es künftigen Forschern natürlich sehr erschwert, Hubers Arbeit nachzuvollziehen, da nur die fertigen Arbeiten Hubers in den Fachzeitschriften vorhanden sind – seine Briefe, die evtl. noch Aufschlüsse hätten geben können, sind ja ebenfalls nicht mehr da. So ging es übrigens auch Hubers Zeitgenossen, die sich schon auf die Auswertungen von Hubers gesammelten Materialien freuten, als er dann leider überraschend starb. Da er zudem wohl der Einzige war – und ist? – der sämtliche asiatischen – tote wie lebendige – Sprachen verstand und somit Dinge in Zusammenhang bringen konnte, die anderen verschlossen waren, mussten seine Studien wohl für längere Zeit auf Eis gelegt werden.

Als letztes bleibt zu erwähnen, dass es sich beim Nachlass überdies um einen “angereicherten” Nachlass handelt. So finden sich darunter auch Zeitungsartikel, die von anderen Personen – wohl Familienangehörigen – gesammelt wurden (der Grossteil der Artikel sind aus der Zeit nach seinem Tod). Es scheint also, dass es sich bei dem Nachlass nicht wirklich um einen Nachlass von Huber selbst handelt, sondern vielmehr um Material von und über ihn, dass seine Familie zusammengestellt, gesammelt und aufbewahrt hat. Fragt sich, inwiefern das die Bearbeitung des Nachlasses beeinflusst.

DA #2 “Collection”

Filed under: Diplomarbeit — harrietvane @ 8:09 am

Der englische Begriff für “Nachlass” ist anscheinend “collection”. So findet man z.B. bei der British Library unter “Manuscripts” –>”Named Collections” Dokumente von Stefan Zweig unter “Zweig MSS”, collected by Stefan Zweig, der BL überreicht von den Trustees of the Stefan Zweig Collection in 1986.

Somit wäre also ein Problem gelöst. Wenn auch “collection” für “Nachlässe” ein eher weiter Begriff ist….

Warum der Nachlass (oder zumindest ein Teil davon??) von Stefan Zweig in der British Library ist, ist dann wieder eine ganz andere Frage….

October 10, 2006

Diplomarbeit #1

Filed under: Diplomarbeit — harrietvane @ 10:33 am

Ich werde versuchen, diesen Blog als Arbeitshilfe zur Diplomarbeit zu verwenden. Vielleicht hilft es ja, mich besser zu organisieren und den Überblick zu bewahren.

Hier zuerst ein Überblick, was bis jetzt gelaufen ist.

1. Ich habe mich für ein Thema entschieden: Die Bearbeitung des Nachlasses des Sinologen und Forscher Eduard Huber (1879-1914) in der ZHB Luzern. Der Nachlass ist nicht zu umfangreich, worüber ich recht froh bin. Ich habe so einen Überblick über das Material und kann auch mal etwas darin lesen und näher betrachten. Ausserdem scheint es mir so machbarer, diese Diplomarbeit hinzubekommen. Trotz des geringen Umfangs ist der Nachlass aber recht abwechslungsreich. Neben schriftlichen Dokumenten, wie Briefe, Postkarten, Publikationen, Schulhefte, Zeitungen und Zeitungssauschnitten und Publikationen sind auch noch ca. 350 Glasplatten-Stereo-Dias enthalten, sowie eine grosse Anzahl Fotografien in verschiedenen Formaten sowie ein paar Objekte – neben 5 Stereo-Dia-Geräten ein paar chinesische Kalligraphie-Pinsel, ein kleines Brettspiel und eine Opiumpfeife.

2. Ich habe meine Referenten zusammen. Hurra. R.P. von Stadtarchiv Zürich hatte, gemäss N. bereits angefragt und seine Zusage erhalten. Heute morgen habe ich an R.M. von der ETH geschrieben und vorher seine Zusage erhalten. Inkl. Angebot, mir vor Ort in der ETH Bibliothek eine Einführung zum Thema Nachlässe etc. geben zu lassen. Darüber bin ich natürlich noch so froh, denn ich habe schlussendlich von dem Thema keine grosse Ahnung. Nur meine Begeisterung dafür. Immerhin auch etwas Wichtiges :-) . Auch sonst freut mich die Zusage, da ein wichtiger Teil der Arbeit ein Konzept für die Digitalisierung der Glasplatten ist. Und davon verstehe ich erst recht nichts. Tatsächlich habe ich erst im Laufe des NDS und meines Praktikums überhaupt zum erstenmal Glasplatten gesehen…

3. Ich habe die Biographie von Casimir Schnyder über Eduard Huber gelesen. Meine Begeisterung für das Thema ist gleich nochmal ein bisschen grösser geworden. Das war wirklich ein spannender Mensch, ein richtiges Genie. Bei seinem Tod 1914 (damals erst 34jährig) hat er etwa 30 Sprachen – europäische und asiatische – gesprochen. Von 1901 bis 1914 hat er die meiste Zeit an der Ecole françaises d’Extrême-Orient in Hanoi zugebracht, von wo aus er auch einige Forschungsreisen in ganz Indochina und umliegende Gebiete unternommen hat um in Bibliotheken, Klöstern und Ausgrabungen im Dschungel Sanskrit-Inschriften und Bücher aufzustöbern. Die Briefe lesen sich teilweise wie Geschichten aus einem Märchen. Faszinierend ist vor allem auch sein Forschereifer und seine Begeisterung für die Kultur und Geschichte Asiens, was ihm, zusammen mit seinem Sprachwissen, viele Türen geöffnet hat.

4. Letzte Woche habe ich den Nachlass angeschaut und eine erste Sortierung vorgenommen, um mir einen Überblick zu verschaffen. (Zusammensetzung des Nachlasses sie 2.)

Probleme:

Ein Problem dieses Nachlasses ist die Sprache. Nicht das Chinesische – davon tauchen nur ein paar Ortsnamen da und dort auf, welche ich mit meinen eingerosteten Chinesischkenntnissen noch zusammenkriegen sollte – sondern das Französische.  Huber hat in Frankreich studiert und sein Leben an einer französischen Hochschule in Indochina verbracht. Folglich ist fast alles Französisch (ausser die Briefe von und nach Hause).

Recherche: Was heisst Nachlass auf Englisch??? Ich habe immer noch keine befriedigende Antwort auf diese Frage gefunden, was das Recherchieren nach Literatur etwas schwierig gestaltet. Dazu kommen die üblichen Probleme bei den Schreibweisen von “Fotografie” sowie die Verbindung mit Ditigalisierung. Es geht eben nicht um “digitale Fotografie”. Unter “Glasplatten” findet sich (bis jetzt) überhaupt nichts. Wieso eigentlich nicht?? Es handelt sich bei einem Grossteil an alten Fotografien um Glasplatten, wieso taucht dann der Begriff nirgens auf??

Erledigt:

Recherche nach Literatur von und über Eduard Huber im Katalog der Bibliothèque nationale de France

Kontaktierung OAS

Zu erledigen:

Gemeinde Grosswangen kontaktieren (Geburtsort von E.H., es gibt dort auch eine Ed.-Huber-Strasse und einen Eduard-Huber-Brunnen!!)

Kontaktieren: Fotomuseum Winterhtur, Memoriav

Exposé schreiben (irgendwie…)

Blog at WordPress.com.